Depotkonsil

Was im Depot wirklich passiert.

Dreizehn Fragen, die vor oder nach der ersten Depoteröffnung aufkommen — vollständig beantwortet, mit Paragraf und Zahl. Kein Verkaufstext.

Vor dem ersten Depot

Was Ärztinnen und Ärzte fragen, bevor sie anfangen.

Was kostet das Depot für Ärzte?

0 € Ausgabeaufschlag (zu 100 % rabattiert), 1 % Serviceentgelt pro Jahr auf das betreute Vermögen, dazu das Depotführungsentgelt der FFB: 0,25 % p. a., maximal 45 € im Jahr. Weitere Kosten gibt es nicht — Rebalancing und Umschichtungen sind inklusive.

Versorgungswerk — reicht das als Rente?

Meist nicht. Das Versorgungswerk ist ein solides Fundament, hält aber den gewohnten Lebensstandard in der Regel nicht allein. Ein Depot ist die flexible zweite Säule: jederzeit verfügbar, an Ihre Lebensphase anpassbar und unabhängig von Versorgungswerks-Regeln.

Lohnt sich die Geldanlage schon als Assistenzarzt?

Gerade dann. Zeit ist der stärkste Hebel beim Vermögensaufbau — wer früh mit einer auch kleinen Sparrate startet, lässt den Zinseszins die schweren Jahre übernehmen. Das Depot wächst mit jedem Gehaltssprung einfach mit.

Wie sicher ist mein Geld?

Ihre Fondsanteile sind Sondervermögen bei der FFB (FIL Fondsbank) — rechtlich getrennt vom Vermögen der Bank, auch im Insolvenzfall. Kursschwankungen der Märkte bleiben natürlich: Fonds sind eine langfristige Anlage, kein Tagesgeld.

Komme ich jederzeit an mein Geld?

Ja. Fondsanteile sind börsentäglich handelbar — keine Kündigungsfristen, keine Mindestlaufzeit. Verkäufe sind in wenigen Tagen auf Ihrem Konto.

Was im laufenden Depot passiert

Regeln, die niemand erklärt, weil sie erst nach der Eröffnung wirken.

Der Freibetrag, der nur an einer Stelle wirkt

Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € je Person und 2.000 € bei Zusammenveranlagung (Stand 2026, unverändert seit 2023). Er wirkt nicht von allein: Die Bank stellt Erträge nur frei, soweit ihr ein Freistellungsauftrag vorliegt. Wer drei Institute hat und den Auftrag nur bei einem erteilt, verschenkt nichts — aber er verleiht dem Staat für ein Jahr Geld.

Den Pauschbetrag auf die Institute verteilen, bei denen tatsächlich Erträge anfallen — und die Verteilung jährlich prüfen, weil sich Bestände verschieben.

Die Summe aller Aufträge darf 1.000 € beziehungsweise 2.000 € nicht überschreiten; innerhalb dieser Grenze ist die Aufteilung frei und jederzeit änderbar.

Die Abbuchung im Januar, mit der niemand rechnet

Thesaurierende Fonds schütten nichts aus — steuerfrei sind sie deshalb nicht. Seit 2018 gibt es die Vorabpauschale: eine jährliche Mindestbesteuerung des Wertzuwachses, auch ohne Zahlungsfluss.

Die Mechanik steht in einem einzigen Paragrafen. Der Basisertrag ist der Rücknahmepreis zu Jahresbeginn mal 70 Prozent des Basiszinses; den Basiszins leitet die Bundesbank aus der Zinsstrukturkurve des ersten Börsentags ab, das Bundesfinanzministerium gibt ihn bekannt. Er beträgt 3,20 Prozent zum 2. Januar 2026, nach 2,53 Prozent zum 2. Januar 2025. Gedeckelt ist er auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres zuzüglich Ausschüttungen — in einem Verlustjahr fällt nichts an.

Die Teilfreistellung hängt an der Quote, nicht am Namen

Bei Aktienfonds bleiben für Privatanleger 30 Prozent der Erträge steuerfrei, bei Mischfonds die Hälfte davon, bei Immobilienfonds 60 und bei Auslands-Immobilienfonds 80 Prozent. Kein Bonus, sondern der Ausgleich für die Vorbelastung auf Fondsebene — und der Grund, warum aus 26,375 Prozent Nominalbelastung bei einem Aktienfonds effektiv rund 18,5 Prozent werden.

Entscheidend ist, was ein Fonds rechtlich ist: Als Aktienfonds gilt, wer gemäß den Anlagebedingungen fortlaufend mehr als 50 Prozent des Aktivvermögens in Kapitalbeteiligungen anlegt, als Mischfonds mindestens 25 Prozent. Maßgeblich ist die im Prospekt festgeschriebene Quote — nicht die Zusammensetzung von heute und erst recht nicht der Produktname.

Die Teilfreistellung als Merkmal des Fonds behandeln: Sie steht in den Anlagebedingungen und wird im Steuerreporting der Bank ausgewiesen.

Die Spanne, die in keinem Vergleichsportal steht

Jeder börsengehandelte Fondsanteil hat zwei Preise: einen, zu dem gekauft wird, und einen niedrigeren, zu dem verkauft wird. Diese Geld-Brief-Spanne zahlt der Anleger bei jedem Handel, und sie taucht in keiner Kostenquote auf, weil sie keine Gebühr der Fondsgesellschaft ist, sondern der Preis für die Liquidität im Moment des Handels.

Sie ist nicht konstant. Wer einen weltweiten Index handelt, handelt Aktien, deren Heimatbörsen zum Teil geschlossen sind: Die US-Börsen öffnen erst um 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, die japanischen sind zu diesem Zeitpunkt längst geschlossen. Deutsche Handelsplätze sind inzwischen deutlich länger geöffnet als früher — der Xetra-Kernhandel läuft von 9.00 bis 17.30 Uhr, über den erweiterten Service seit dem 1. Dezember 2025 sowie an der Börse Frankfurt von 8.00 bis 22.00 Uhr. Die Handelszeit ist damit länger geworden, die Öffnungszeit der Heimatmärkte nicht.

Zu Zeiten handeln, in denen der Heimatmarkt der enthaltenen Papiere offen ist — bei einem weltweiten Index also am Nachmittag, wenn die USA gehandelt werden.

Die ehrliche Kostenzahl heißt anders als die beworbene

Die Kostenquote sagt, was die Gesellschaft entnimmt. Was ein Anleger tatsächlich gegenüber dem Index verliert oder gewinnt, sagt die Tracking Difference: der Unterschied zwischen der Wertentwicklung des Fonds und der des Index, über mehrere Jahre gemessen. Sie kann größer ausfallen als die Kostenquote — und sie kann negativ sein, der Fonds also besser laufen als sein eigener Index.

Der Grund dafür steht im Gesetz. Ein Fonds darf Wertpapiere gegen Entgelt verleihen, und die Erträge aus diesen Wertpapier-Darlehensgeschäften stehen dem Fonds zu — nicht der Gesellschaft. Sie kommen also beim Anleger an und verringern die effektiven Kosten. Die Geschäfte sind begrenzt und besichert: höchstens 10 Prozent des Fondswertes je Darlehensnehmer, Sicherheiten vor oder Zug um Zug gegen die Übertragung, jederzeitiges Kündigungsrecht. Der zweite Grund ist die Behandlung ausländischer Quellensteuern, die je nach Fondsdomizil unterschiedlich ausfällt.

Fonds über die mehrjährige Tracking Difference vergleichen statt über die Kostenquote allein. Zwei Fonds auf denselben Index mit derselben Quote können sich hier spürbar unterscheiden.

„Weltweit“ ist eine Herkunftsangabe, keine Streuungsangabe

Ein Index auf die Industrieländer enthält gut tausend Unternehmen aus 23 Staaten — das klingt nach maximaler Streuung. Die Gewichtung folgt aber der Marktkapitalisierung, und die hat sich über zwei Jahrzehnte verschoben. Im MSCI World Index entfielen zum 31. Juli 2026 rund 72 Prozent auf die Vereinigten Staaten; der Index umfasste 1.282 Unternehmen aus 23 Industrieländern, und die zehn größten Einzelwerte machten zusammen etwa 26 Prozent aus.

Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern das erklärte Prinzip: Ein marktkapitalisierungsgewichteter Index bildet ab, was der Markt wiegt. Nur beschreibt das Wort „weltweit“ dann, woher die Unternehmen stammen dürfen — nicht, wie gleichmäßig das Geld verteilt ist.

Die Länder- und Positionsgewichte am Stichtag nachsehen, statt sie aus dem Namen abzuleiten. Sie stehen im Factsheet des Indexanbieters und werden monatlich fortgeschrieben.

Cost Average ist beim Sparplan keine Leistung — und bei der Einmalsumme kein Vorteil

Kaum ein Begriff wird so beharrlich falsch erzählt. Zu trennen sind zwei völlig verschiedene Situationen.

Der Sparplan. Wer monatlich aus dem Gehalt anlegt, kauft zwangsläufig zu unterschiedlichen Kursen. Das ist kein Kniff und kein Vorteil, sondern eine Beschreibung dessen, was ohnehin passiert: Man legt an, sobald Geld da ist. Der Effekt hat keinen Alternativfall, gegen den er gewinnen könnte — es liegt ja keine Summe bereit, die man auch auf einmal hätte anlegen können.

Die Einmalsumme. Hier gibt es diesen Alternativfall, und hier kehrt sich das Argument um. Vanguard hat für die Jahre 1976 bis 2022 über mehrere Märkte verglichen, ob die sofortige Anlage oder das gestaffelte Einsteigen vorn lag. Ergebnis: Die Sofortanlage gewann je nach Markt in 61,6 bis 73,7 Prozent der untersuchten Zeiträume. Der Grund ist unspektakulär — Märkte steigen häufiger, als sie fallen. Wer zwölf Monate lang einstreut, hält im Durchschnitt die Hälfte der Summe die halbe Zeit außerhalb des Marktes.

Drei Töpfe, drei Zeithorizonte — und keiner davon vertritt einen anderen

Die letzte Regel ist die schlichteste und wird am häufigsten verletzt. Ein Depot ist für Geld gedacht, das über Jahre nicht gebraucht wird. Alles, was dieser Bedingung nicht genügt, gehört nicht hinein — nicht weil es verboten wäre, sondern weil sonst der Verkaufszeitpunkt vom Kalender bestimmt wird und nicht vom Kurs.

Für Ärztinnen und Ärzte sind es typischerweise drei Töpfe: der Notgroschen für den unvorhergesehenen Fall, die Praxis- oder Anschaffungsrücklage für Vorhaben mit absehbarem Datum, und der langfristige Bestand. Nur der dritte verträgt Schwankung, weil nur er die Zeit hat, sie auszusitzen.

Vor der Anlage den Verwendungszeitpunkt benennen. Was in weniger als etwa fünf Jahren gebraucht wird, braucht Verfügbarkeit statt Rendite.

Drei weitere Punkte — Kirchensteuer beim Bundeszentralamt, Depotübertrag ohne Gläubigerwechsel und die Auflösung eines Fonds durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft — stehen im Finanzkonsil auf aerzteinvest.de.

Bereit in zehn Minuten.

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